Volksmusik hat verstaubtes Image satt
von Alois Gabriel, Programmverantwortlicher Eidgenössisches Ländlermusikfest in Stans
60‘000 Festbesucher erlebten am “Eidgenössischen” vom letzten Wochenende auf eindrückliche Art, welche positive Ausstrahlung der Umgang mit Volkskultur haben kann: Aufgeräumte Stimmung überall, Lebensfreude pur, begleitet vom spontanen Musizieren auf Strassen und Plätzen. Man erlebte Volksmusik in zahlreichen Facetten: Traditionell, innovativ, ausländisch und alles fand nicht nur ein zahlreiches, sondern auch begeistertes Publikum. Dreimal füllte sich die grosse Konzert-Halle (800 Plätze), obwohl man gleichzeitig auch im Dorf kaum mehr vorwärtskam und Tausende in diese urgemütliche Festatmosphäre eintauchten. Auch die Konzerte mit besonders innovativer Volksmusik fanden sehr grossen Zuspruch. Die oft als rechtskonservativ verschriene Volksmusikszene öffnete ihren Festplatz und selbst den grossen Brauchtumsumzug für mehrere ausländische Gruppen und integrierte sie problemlos in ihr Programm.
Dieses Fest zeigte eindrücklich auf, dass die Schweizer Volksmusik ihr verstaubtes Image satt hat und sich zukunftsgerichtet präsentieren will, ohne dabei mit der Tradition zu brechen. Viele Jungformationen sind in Aufbruchstimmung, entdecken vor der eigenen Haustüre ein musikalisches Betätigungsfeld, dass viel Innovation zulässt und trotzdem Identität stiften kann. Selbstverständlich sind innerhalb der ganzen Volksmusikszene nicht alle Grenzen verwischt. Viele Gräben sollten noch zugeschüttet werden und die Toleranz unter den Musikanten muss noch wachsen. Man hat Mühe mit dem einen oder anderen und da Musik immer mit Emotionen gepaart ist, gehen die Wogen manchmal hoch.
Das Programm des Stanser „Eidgenössischen“ hat sich ganz bewusst vom volkstümlichen Schlager abgegrenzt und damit klar gemacht, dass diese Sparte mit der eigentlichen instrumentalen Volkmusik überhaupt nichts zu tun hat. Die Szene hat genug davon, dass man diese zwei völlig unterschiedlichen Sparten immer wieder in einen Topf wirft und man will auch nicht als Trittbrettfahrer von der Massenwirkung dieser Kommerzmusik „profitieren“. Die Massen lassen sich auch so begeistern, das hat Stans eindrücklich bewiesen. Die Volksmusik wird viel mehr als Teil unserer lebendigen Kultur verstanden und möchte als solche auch wahr und ernst genommen werden. Da liegt der Entscheid diese Musik aus dem meistgehörten Radioprogramm zu entfernen und in ein Spartenprogramm abzuschieben, wieder zusammen mit dem Schlager natürlich, völlig quer in der Landschaft. Das brachte selbst Bundesrätin Doris Leuthard in ihrer Festansprache, begleitet vom grossen Applaus des Publikums, klar und deutlich zum Ausdruck.
10 october 2007, 2:03
In Österreich ist Volksgruppe die gesetzliche Bezeichnung für nationale Minderheit. Die älteste Bedeutung „viele gleichartige Leute“ ist noch in Worten wie „Fußvolk“ oder „Fahrendes Volk“ präsent. Die Auffassungen über den Begriff Kultur sind regional unterschiedlich. Widerstand befindet sich entsprechend außerhalb der gesetzten Ordnung.
Gruppe Edvard Kunzt
17 october 2007, 8:58
Hallo!
Als Absolvent der Hochschule für Musik Basel (Klavier) möchte ich meine Anerkennung aussprechen für die in der Tat MASSIV interssanter gewordene Volksmusik dieser Tage. Noch in meiner Jugend und zu Studienzeiten (80er-90er) war für mich die Schweizer Volksmusik nahezu unerträglich anzuhören. Und ich bin sicher, mein Eindruck von damals war berechtigt.
Dass sich heute Gruppen formiert haben, die auf ausserordengtlich hohem Niveau spielen, möchte ich aber ausdrücklich anerkennen. Nach wie vor halte ich die Musik selbst nicht für wahnsinnig interessant (kein Vergleich mit Volksmusik aus Osteuropa, z.B.), aber wenn auf so hohem technischen und musiklaischen Niveau gespielt wird, wie man das heutzutage hört, dann ist das eine sehr positive Entwicklung, die es zu anerkennen gilt!
Für mich eindeutig eine Folge der Neuzeit, denn ohne ein breites, multi-”kulturelles” Musikverständnis ist die Qualität, die man heute hört, nicht hinzubekommen. Siehe da, die besten Vertreter der Volksmusik sind die (vielleicht) so oft gescholtenen “Jungen”, die ihre Ketten sprengen um die Wurzeln der Musik ihrer Heimat zu erkunden…
of.
1 giugno 2010, 2:22
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